Zadie Smith - wieder mal ganz groß!

admin 11. Oktober, 2017

Zadie Smith

Swing Time

Kiepenheuer und Witsch Verlag

24 €

Zadie Smith, die ich schon lange bewundere und lese, schreibt diemsal über eine junge Frau, Tochter einer schwarzen Einwanderein aus Jamaica und eines weißen Engländers.

Ihre Mutter ist bildungshungrig, politisch aktiv und eine sehr besondere Frau. Der Vater, der seine Frau sehr liebt, ist ihr intellektuell und auch was die Lebenstüchtigkeit angeht, unterlegen, was der Ehe nicht unbedingt gut tut.

Einen großen Teil des Buches nimmt die Freundschaft zwischen der Protagonistin und Tracey, einem kleinen - ebenfalls “gemischten” Mädchen aus ihrer Ballettklasse ein. Tanzen und Singen, da sehen sie beide ihre große Liebe, doch ihre Wege trennen sich mit dem Erwachsen werden.

Tracey geht auf eine Ballettschule, doch ihre Karriere verläuft nicht so wie erhofft. Die Ich-Erzählerin hingegen wird persönliche Assistentin einer berühmten Popsängerin und Tänzerin. Deren soziales Engangement führt sie nach Afrika, wo interessante Fragen gestellt werden: ist Hilfe tatsächlich Hilfe? Wo endet Helfen und wo beginnt Protektionismus?

Auch der persönliche Lebensweg, das fehlende Glück mit Männern, die Probleme mit ihren Eltern und immer wieder auch mit ihrer Kinderfreundin werden von Zadie Smith auf eine Weise beschrieben, dass ich traurig war, als das Buch zu Ende war.

Vielleicht nicht ganz so groß und toll wie “Zähne zeigen” oder “Von der Schönheit”, aber mindestens so gut, wenn nicht besser als ihr letztes “London NW”.

Jedenfalls ein lesenswertes, sehr gut geschriebenes Buch über Freundschaft. Liebe, Rassismus und Politik!

zu bestellen gerne bei mir in der Buchhandlung

Eine Schuld, die ein Leben lang bleibt

admin 11. Oktober, 2017

Pierre Lemaitre

Drei Tage und ein Leben

Übersetzer:  Tobias Scheffel

Klett-Cottag Verlag

20 €

Pierre Lemaitre hatte für sein wahrlich großartiges aber bis zum Exterm düsteres und schmerzhaftes Buch “Wir sehen uns dort oben” den Prix Goncourt, den wichtigsten französischen Buchpreis gewonnen. Deshalb hatte ich das damals gelesen und ich war begeistert.

Klar, dass ich mich voller Vorfreude auf sein neues Buch gestürzt habe!

Als erstes muss ich feststellen, dass “Drei Tage und ein Leben” völlig anders ist, sowohl thematisch wie auch stilistisch. Umso schöner ist es, dass mir auch sein neues Buch, das manche fälschlicherweise für einen Krimi halten, sehr gut gefallen hat!

Sicher, man weiß schon von Anfang an, dass Antoine, der kleine Junge, ein “Mörder” ist, doch ist das wirklich Mord? War er nicht noch viel zu jung, zu emotional aufgewühlt um sein Tun (das sowieso eher ein Totschlag gewesen wäre) zu verstehen?

Jedenfalls ist es für uns Leser nahezu unerträglich mitzuerleben, wie sehr sich Antoine selbst kasteit, wie sehr diese Tat sein Leben beeinflusst und wie schrecklich es ist, dass er sich nie jemand anderem mitteilen konnte.

Seine Angst, entdeckt zu werden, kommt erst viele Jahre später wieder, als der Wald in dem sein Opfer vergraben liegt, gerodet wird, zum Ausbruch. Zwischenzeitlich führte er ja ein “normales” Leben, doch jetzt merkt man, dass da nichts wirklich normal war.

Als Leser ist man hin- und hergerissen zwischen Mitleid mit Antoine und Mitleid mit dem Opfer.

Dem Autor gelingt es, einen psychologisch tiefgründigen, spannenden und alles andere als banalen Roman über Schuld, Reue und Kindheitstraumata zu schreiben.

Sehr gut!

Ich würde mich freuen, wenn Sie das Buch bei mir in der Buchhandlung Thaer bestellen!

Menasse - Die Hauptstadt

admin 9. Oktober, 2017

Yeah! Mein derzeitiges Lieblingsbuch hat gerade den Deutschen Buchpreis 2017 gewonnen!

Ich freue mich sehr!!!

Robert Menasse „Die Hauptstadt“

Suhrkamp Verlag

24 €

Robert Menasse, 1954 in Wien geboren, Germanist, Philosoph, Politikwissenschaftler, vor allem aber Schriftsteller, hat sich schon länger in Essays und Sachtexten mit dem Thema „Europa“ auseinander gesetzt. Mit der literarischen Umsetzung trifft er den Nerv der Zeit.

 

Wir befinden uns in Brüssel in der Jetztzeit, die Protagonisten spielen alle eine Rolle in der  EU – Bürokratie. Eine griechisch-zypriotische Beamtin soll das Image der Europaischen Kommission verbessern. Während sie mit ihrem Mitarbeiter nach einer zündenden Idee sucht (oh ja, und wie diese zünden wird!) läuft ein Schwein durch Brüssel. Die ganze Stadt sucht einen Namen für das Schwein, so als gäbe es keine anderen Probleme.

 

 Doch die gibt es zuhauf: Ränkespiele, Intrigen, persönliche und nationale Eitelkeiten, Karrierismus . Doch es gibt ebenso die ernsthafte Arbeit für ein besseres Europa, auch  für eine postnationale Gemeinschaft.

Die Europäische Kommission wird fünfzig, mit einer Jubiläumsfeier soll klar gemacht werden, was eigentlich so wichtig ist an Europa. Dass es nicht nur um wirtschaftliche Auseinandersetzungen geht, sondern um mehr: nie wieder Auschwitz, ein Ende von Nationalismus und Rassismus, gemeinsame Verteidigung von Menschenrechten. Wie jedoch kann das „sexy“ in einer Feier umgesetzt werden?

Menasse versteht es, u.a. mit einem alten Professor der Ökonomie, der zugleich auch Auschwitz-Überlebender ist und mit einem Kommissar, der von einem politisch heiklen Mordfall abgezogen wird, hochinteressante Personen vorzustellen.

Die schnell wechselnden Perspektiven, die vielen Plots werden auf ungemein spannende Weise miteinander verwoben. Beim Lesen entsteht  manchmal das Gefühl,  man habe einen Krimi der Spitzenklasse vor sich, dann wieder einen kritisch-ironischen, immer auch menschlich bewegenden Gesellschaftsroman.

Literarisch wie politisch relevante Literatur, die von der ersten bis zur letzten Seite großes Lesevergnügen bereitet!

 

Elvira Hanemann

Bestellen können Sie das gerne bei mir in der Buchhandlung Thaer

Ein neuer Fall für Milena Lukin

admin 28. September, 2017

Schünemann & Volic´

„Maiglöckchenweiß“

Diogenes Verlag 22 €

 

Christian Schünemann, 1986 in Bremen geborten, studierte Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina, lebt und arbeitet als Drehbuchautor  in Berlin.  Jelena Volic, geboren in Belgrad, lehrt dort Neuere deutsche Literatur- und Kulturgeschichte. Sie ist Mitarbeiterin in diversen Foren, die sich mit Serbien im europäischen Einigungsprozess befassen, und Expertin für deutsch-serbische Beziehungen. Sie lebt in Belgrad und Berlin. Die beiden sind seit vielen Jahren befreundet.

Der dritte Fall für Milena Lukin, die gar keine Kommissarin ist, sondern Kriminologin ist,  spielt sich in Belgrad ab. Vor 25 Jahren hatten zwei Jugendliche einen kleinen Roma-Jungen völlig ohne Anlass attackiert und totgeschlagen. Die Familie fällt danach auseinander, die Mutter begeht Selbstmord.

 Einer der Jugendlichen saß dafür 7 Jahre im Gefängnis, der andere floh ins Ausland zu einem Verwandten. Nun kommt er, gemeinsam mit seiner niederländischen Frau, zurück nach Belgrad. Die beiden möchten ein kleines Hotel eröffnen. Doch Jurij möchte sich vor allem nach all den Jahren seiner Verantwortung stellen. Sein Anwalt, ein Freund von Milena, unterstützt ihn dabei. Doch nach wenigen Tagen wird Jurij tot aufgefunden, die Polizei ist überzeugt, es sei ein Selbstmord.

Doch zu vieles passt nicht zusammen. War es die späte Rache der Roma – Familie? Denn zeitgleich kehrt auch Anna, die mittlerweile erfolgreiche Schwester des ermordeten Jungen zurück in die Stadt. Welche Rolle spielt Luca, der andere Täter dabei? Die Spuren führen in die Vergangenheit, zurück in die jugoslawische Geschichte.

Nebenbei  spielt natürlich auch das Privatleben von Milena, deren geschiedener deutscher Ehemann zusammen mit seiner neuen Frau ebenfalls nach Belgrad fährt um den Geburtstag des gemeinsamen Sohnes zu feiern. Auch hier ist Aufregung angesagt.

Was mir gut gefiel ist die spannende Verknüpfung brisanter Themen wie Rassismus gegen Roma, die neuere Geschichte des ehemaligen Jugoslawien mit einem interessanten Fall. Ab und zu sind manche Handlungsstränge etwas übertrieben dargestellt, nicht alles ist schlüssig, die privaten Geschichten überzeugten mich weniger, aber insgesamt gefiel mir auch der dritte Teil der Serie – ebenso wie die beiden ersten Teile „Pfingstrosenrot“ und „Kornblumenblau“ wieder sehr gut.

Das Autorenduo passt gut zusammen, die Themen sind jedes Mal hochinteressant, die Spannung stimmt. Wenn dann auch noch die letzten Enden stimmig zusammenfinden würden, wäre es perfekt. Gut ist der Krimi aber auch so!

Es wird Zeit, dass Schünemann & Volic bekannter bei uns werden!

Bestellen können Sie das gerne bei mir in der Buchhandlung Thaer!

Zahina und das verlorene Wasser

admin 12. Juni, 2017

Anne Jonas/Marie Desbons

„Von der Kostbarkeit des Wassers“

 978-3-946401-09-4

Tintentrinker Verlag  16 €

Die Autorin Anne Jonas studierte Geschichte und Buchwissenschaften, sie widmet sich seit einigen Jahren ausschließlich dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern. Anne Jonas lebt und arbeitet in Grenoble.

Die Illustratorin Marie Desbons studierte Design und Kommunikation. Sie arbeitet für viele renommierte Kinderbuchverlage Frankreichs.

Dieses Bilderbuch richtet sich an Kinder ab 5 Jahren.

Aufmerksam wurde ich durch die besondere Art der Illustrationen, die sich schon auf dem wunderschönen Cover zeigt und die das ganze Buch hindurch auf höchstem Niveau bleibt.

Doch auch inhaltlich hat das Buch einiges zu bieten: Zahina lebt in einem Land, in dem Wassermangel herrscht. So ist es ihr Bestreben von klein auf Wasser vom entfernten Brunnen zu holen. Es bereitet ihr ein schrecklich schlechtes Gewissen, dass sie durch ihre Träumereien auf dem Weg immer etwas unaufmerksam ist und dadurch immer wieder Wasser verliert.

Eines Tages zerspringt ihr sogar der ganze Wassertopf, weil sie hingefallen ist. Weinend erzählt sie ihrem Vater von den vielen „Vergehen“. Dieser jedoch macht sie darauf aufmerksam, dass das Wasser, das sie verschüttet hatte, nicht wirklich „verloren“ ging, denn der Weg zum Brunnen ist viel schöner geworden, es wachsen Blumen am Wegesrand. Zahina ist getröstet  - und tatsächlich ist der Gedanke, dass Abweichungen vom Normalen, eben auch Träumereien am Wegesrand, keine verlorene Zeit sind und dass nichts wirklich verloren geht - sehr tröstlich und schön. Gefallen hat mir auch, wie Kinder bei uns ganz nebenbei auf die immense Bedeutung des Wassers aufmerksam gemacht werden.

Das schönste an dem Buch sind aber die zauberhaften Bilder, die sicher nicht nur (diesen aber auch!) Kindern gefallen dürften.

Gerne können Sie das Buch bei mir in der Buchhandlung Thaer bestellen:

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